Rind

Wie zeigen Rinder Schmerz?

Schmerzen sind Rindern auf den ersten Blick oft nicht anzumerken.

Schmerzen überhaupt zu bemerken und ihren Schweregrad richtig einzuschätzen, ist die Grundvoraussetzung, um sie zu behandeln. Das Rind macht es den Landwirten und Tierärzten dabei nicht leicht. Auch große Schmerzen lösen oft nur subtile Verhaltensänderungen aus. Doch wer die tierartspezifischen Schmerzanzeichen kennt, wird das Verhalten richtig einordnen können und rechtzeitig auf schmerzhafte Zustände aufmerksam. Regelmäßige, sorgfältige Tierbeobachtung ist dabei durch nichts zu ersetzen. Dazu muss der Landwirt relativ viel Zeit investieren, einen fachmännischen Blick und ein gewisses Gespür für die Tiere haben. Die gute Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern auf dem Betrieb und dem Tierarzt ist gerade bei der Schmerzbehandlung sehr wichtig.

Bewegungs- und Fressunlust

Ganz allgemein können Schmerzen bei Rindern dazu führen, dass sich die Tiere nur noch ungern bewegen. Auf der anderen Seite ist aber auch eine vermehrte Unruhe möglich. Oft wird die Rückenlinie aufgekrümmt oder das Tier windet Kopf und Hals. Bisweilen wird Stroh mit dem Maul aufgenommen und auf Rücken oder Bauchwand verteilt. Ansonsten fressen die Tiere schlecht, bei einer Untersuchung durch den Tierarzt ist der Pansen leer. Häufig fallen Abweichungen vom Normalverhalten auf, zum Beispiel wenn eine Kuh in Seitenlage liegt. Manchmal ist ein auffälliges Verhalten auch für die Tierart Rind normal, aber für eine bestimmte Kuh untypisch. Solche Veränderungen kann nur feststellen, wer die einzelnen Tiere sehr gut kennt.

Tiere mit starken Schmerzen haben oft nur noch wenig Interesse an ihrer Umwelt. Kontakte zu anderen Rindern finden kaum noch statt. Wenn der Landwirt in den Stall kommt oder der Tierarzt seine Untersuchung macht, ist ein solches Tier wenig interessiert. Auf Manipulationen reagiert es vielleicht mit weniger Abwehr als gewohnt.

Das Schmerzgesicht

Teilweise ist den Tieren der Schmerz anzusehen: Ihr Fell kann aufgestellt sein und sie zeigen einen typischen Gesichtsausdruck. Dabei werden die Ohren zurückgelegt, die Nasenöffnungen sind erweitert und die Augen werden von den Tieren oft zusammengekniffen. Gelegentlich meiden Rinder mit Schmerzen das Licht oder es sind Tränen zu sehen. Das Flotzmaul stützen die Tiere gerne auf der Krippe oder an der Wand auf.

Steht ein Rind kurz vor dem Tod, sind die Augen trübe und eingefallen. Die Gesichtsmuskeln treten hervor und das Oberlid des Auges erscheint dreieckig.

Wehklagen

Schmerzerfüllte Lautäußerungen sind bei Rindern eher untypisch. Zu hören ist aber manchmal ein hackendes Leerkauen und Zähneknirschen. Bei Bauchschmerzen stöhnen manche Tiere regelmäßig und langgezogen, sie klingen ähnlich wie ein Nebelhorn. Ein solches wehklagendes Anken ist oft auch zu hören, wenn festliegende Rinder zum Aufstehen gebracht werden sollen.

Spezifische Schmerzanzeichen

Über diese allgemeinen Schmerzanzeichen hinaus gibt es natürlich spezifische Veränderungen, die direkt mit bestimmten schmerzhaften Prozessen in Verbindung stehen: So wird bei Lahmheit häufig beobachtet, dass die Rinder mit dem Kopf nicken, den Rücken aufrunden und sich die Schrittlänge verkürzt. Die Tiere legen sich bevorzugt auf das betroffene Bein, im Stand wird es entlastet.

Manchmal werden spezifische Schmerzanzeichen auch vom Tierarzt während der Untersuchung provoziert, um die Diagnosestellung zu erleichtern. Ein Beispiel ist die Fremdkörperschmerzprobe bei Verdacht auf eine Netzmagenentzündung: Durch das Aufziehen einer Falte am Widerrist wird das Rind gezwungen, reflektorisch den Rücken durchzubiegen. Dabei verschiebt sich der Netzmagen, wodurch ein Bauchhöhlenschmerz ausgelöst wird: Das Rind stößt einen charakteristischen, kurzen, ächzenden Klagelaut aus.