Schwein

Stellungnahme zur Ferkelkastration

Den idealen Wirkstoff gibt es nicht.

Die chirurgische Kastration von Ferkeln ist ein schmerzhafter operativer Eingriff. Im aktuellen Open Access Beitrag in Der Praktische Tierarzt nimmt die Initiative tiermedizinische Schmerztherapie (ITIS) Stellung zur Frage der Betäubung bei dieser Operation. Ausreichend gehemmt werden die Schmerzen nur durch Wirkstoffe, welche auch die Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigen.

Eine Kastration ohne Betäubung ist verboten

Männliche Ferkel werden routinemäßig kastriert, um das Risiko für Schweinefleisch mit unangenehmem Ebergeruch zu senken. Ohne Schmerzhemmung ist eine chirurgische Kastration von Ferkeln in Deutschland seit 2013 nicht mehr zulässig, ab 2019 darf der Eingriff hierzulande auch nicht mehr ohne Betäubung durchgeführt werden.

Aber ist die chirurgische Kastration mit Betäubung wirklich eine praxistaugliche Alternative? Werden Wahrnehmungs- und Empfindungsfähigkeit über die Schmerzausschaltung hinaus beeinträchtigt, ist eine Betäubung auch beim Ferkel nach dem Deutschen Tierschutzgesetz ganz klar Aufgabe eines Tierarztes. Die Ferkelkastration wird in der Praxis aber durch den Landwirt und seine Angestellten selbst durchgeführt. Damit das weiterhin möglich wäre, würde für die Betäubung ein Wirkstoff gebraucht, der während und nach der Operation eine effektive Schmerzausschaltung gewährleistet, die Wahrnehmungsfähigkeit der Tiere aber nicht beeinträchtigt.

Kein Wirkstoff eignet sich

Ein solcher Wirkstoff existiert nicht, so Dr. Susanne Zöls, Fachtierärztin für Schweine an der Klinik für Schweine und Prof. Dr. Heidrun Potschka, Lehrstuhlinhaberin des Instituts für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Autorinnen der Stellungnahme. Es gibt ihrer Ansicht nach derzeit auch keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass es möglich sein könnte, einen derartigen Wirkstoff zu entwickeln.

Eine Betäubung durch den Landwirt ist daher momentan rein rechtlich nicht möglich. Darüber hinaus geht ein Eingriff in das Nervensystem immer mit einem Risiko einher und sollte grundsätzlich in der Hand eines Tierarztes liegen. Andere Alternativen zur betäubungslosen Kastration wie die Immunokastration oder die Ebermast und Schlachtung vor der Geschlechtsreife müssen in Betracht gezogen werden.